2013/2014

 

Festival tschechischer Kunst und Kultur findet seit dem Jahr 2001 jährlich in der Bundesrepublik Deutschland statt, um der Öffentlichkeit in Deutschland die gegenwärtigen Tendenzen in verschiedenen Kunstarten in Tschechien aufzuzeigen und damit zum besseren gegenseitigen Kennen lernen und einem dauerhaften Verständnis beizutragen.  
Durch diese Aktivitäten trägt das Festival zur besseren Verständigung zwischen Tschechen und Deutschen und damit zugleich zum weiteren Zusammenwachsen in Europa bei. Mit seinen vielseitigen Angeboten weckt es bei Menschen aller Generationen das Interesse, sich näher mit dem jeweils anderen Land zu beschäftigen. Das Festival hilft darüber hinaus, die bis heute teilweise noch weit verbreitete Unkenntnis der Kultur, Traditionen und Befindlichkeiten des jeweils anderen Volkes abzubauen sowie die Sprachbarriere zu überwinden. Nicht zuletzt hat es eine starke nachhaltige Wirkung: Es werden lang anhaltende Kontakte zwischen Künstlern verschiedener Genres aus beiden Ländern geknüpft. Durch die gegenseitige Inspiration entstehen immer wieder neue deutsch-tschechische Projekte. Somit bildet sich in kürzester Zeit ein Netzwerk von Kulturschaffenden und kulturellen Institutionen aus beiden Ländern heraus, die künftig der Motor für den bilateralen Austausch auf dem Gebiet der verschiedenen Künste sein werden. Damit erfüllt das Festival nicht nur eine äußerst wichtige gesellschaftliche, sondern zugleich auch eine große politische Aufgabe.

Programm

  • 18. November 2013, 19:00 Uhr , Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin
  • 25. November 2013, 19:30 Uhr , Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin
  • 03. Dezember 2013, 20:00 Uhr, Kulturkirche Altona, Max-Brauer-Allee 199, 22765 Hamburg
  • 05. Dezember 2013, 19.00 Uhr, Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin
  • 09. Januar 2014 um 20.00 Uhr, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Breitscheidplatz, 10789 Berlin
  • 27. Januar 2014, 19:00 Uhr, Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin
  • 28. Januar 2014, 19:00 Uhr, St. Bonifatius Kirche, 26316 Varel
  • 12. Februar 2012, 19:00 Uhr, Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin
  • 20. Februar 2014, 19:00 Uhr, Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin
 

ATTENTAT

18. November 2013, 19:00 Uhr
Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin
Veranstaltung zum Gedenken an das Attentat gegen Reinhard Heydrich in Prag vor 71 Jahren.
Es sprechen die Historiker: Dr. Michal Simunek und Dr. Pavel Zeman vom Prager „Institut für das Studium totalitärer Regime“. Im Anschluss gibt es ein Konzert der „Pan Mareck Band“
 
 
Symposion Attentat Dr. Pavel Zeman, Stepan Benda, Dr. Michal Simunek
 
 
Ansprache Symposion Attentat Gesandte Frau Mgr. Eva Dvorakova
 

Nach dem  die  Truppen der  deutschen Wehrmacht  in den Morgenstunden des 15. März 1939 die tschechoslowakischen Grenzen überschritten hatten und nach der Entstehung des Protektorats Böhmen und Mähren hörte die ehemalige Tschechoslowakei in der  freien Welt nicht auf zu existieren. Die tschechoslowakische "Auslandsaktion", wie  später die diplomatischen Aktivitäten unter der Führung  von Präsident Edvard Benes genannt  wurden,  fing buchstäblich am darauf folgenden Tag, d.h. am 16. März 1939 an. Die tschechoslowakischen, diplomatischen Vertretungen in den meisten freien Ländern der Welt arbeiteten weiter, denn die  gewaltsame Schaffung des Protektorats Böhmen und Mähren durch das nationalsozialistische Deutschland wurde als klarer Bruch des internationalen Rechtes betrachtet. Die Ausland-Tschechoslowaken standen also schon ein halbes Jahr vor dem  eigentlichen Ausbruch des  zweiten Weltkrieges in klarer Gegnerschaft zum nationalsozialistischen Deutschland. Doch ihr  Weg zu  einer vollwertigen  Anerkennung im Sinne einer tschechoslowakischen Exil-Regierung war  noch sehr lang und kompliziert. Auch nach dem Ausbruch des  2. Weltkrieges im September 1939 war die Position der tschechoslowakischen Exil-Politiker nicht einfach. Die Existenz des Protektorats und des slowakischen Staates, der sogar als ein "Verbündeter" Deutschlands  galt, erschwerte ihre Position bei den Alliierten beträchtlich. Trotz der spezifischen politischen und  vor allem geographischen  Bedingungen in der Heimat, die die Aktionen des Widerstandes gegen die Nationalsozialisten erschwerten, konnte die Exil-Führung bald  eine  ganze Reihe von bedeutsamen Aktionen der "rèsistence", die vom Ausland aus  organisiert wurden, vorweisen und somit das Bild der gemeinsam mit den Alliierten gegen Hitler "kämpfenden Tschechoslowakei" festigen. Der Höhepunkt dieser Aktivitäten war das Attentat auf Reinhard Heydrich:

 

 

Am 27. Mai 1942, verübten die Widerstandskämpfer und Mitglieder der tschechoslowakischen Exilarmee in Großbritannien, Josef Gabcik und Jan Kubis, ihr Attentat auf Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheits-hauptamtes und Reichsprotektor im Protektorat Böhmen und Mähren. Heydrich, der häufig als Henker von Prag bezeichnet wurde, war durch eine Handgranate schwer verletzt worden und starb einige Tage später an den Folgen dieser Verletzungen.

Der Anschlag auf Heydrich war das einzige erfolgreiche Attentat auf einen hohen NS-Funktionär in Europa und war nicht nur für die Böhmischen Länder, sondern für Europa und die ganze Welt von großer Bedeutung. Es wurde ein Zeichen gesetzt: Nicht alle Menschen in den von Nazi-Deutschland besetzten Gebieten verhielten sich wie Opfer und verharrten in Passivität, es gab auch zahlreiche, die Mut zum Widerstand bewiesen und sich aktiv zur Wehr setzten.
Einen Monat nach dem Attentat erfolgte die endgültige Anerkennung der tschechoslowakischen Exil-Regierung von Präsident Benes durch die britische Regierung, die dazu noch offiziell verlautbarte, dass sie  sich nicht mehr  an die Verträge aus dem Münchener Abkommen von 1938 gebunden fühle. 

 

Nach dem Tod Heydrichs war die tschechische Bevölkerung brutalen Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt. Nur wenige Tage nach dem Attentat wurde als Racheakt das Dorf Lidice bei Prag dem Erdboden gleichgemacht. Alle männlichen Bewohner, die älter als 15 Jahre waren, wurden erschossen, Frauen und Kinder in das Konzentrationslager Ravensbrück nach Deutschland verschleppt. Auch mit anderen Terrorakten an verschiedenen weiteren Orten wüteten die Nazis und wollten Exempel statuieren. Diese Zeit wurde später von den Tschechen als Heydrichiade bezeichnet. Insgesamt wurden über 3000 Menschen verhaftet, mehr als 1300 wurden hingerichtet.

Heute zeigen wir Ihnen zwei Ausschnitte aus Dokumentarfilmen von Jiri Sequenz Attentat aus dem Jahr 1964 und Otokar Vavras Film Sokolovo aus dem Jar 1974, mit Kommentaren von Historikern aus Prag: Dr.Pavel Zeman, Dr. Michal Simunek und Pavel Cvancara vom Institut für das Studium totalitärer Regime. Das anschließende Gespräch mit den Historikern wird von dem Filmemacher Stepan Benda moderiert. Danach gibt es ein Konzert der „Pan Mareck Band“.

Regiseur Jiri Sequens Film "Attentat"

Regiseur Jiri Sequens Film "Attentat"

Regiseur Jiri Sequens Film "Attentat"

Regiseur Jiri Sequens Film "Attentat"

 

 

VEDEM

25. November 2013, 19:30 Uhr
Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin

Szenische Lesung aus Texten der jugendlichen Gründer und Verfasser der Zeitschrift „Vedem“, Petr Ginz und Hanus Hachenburg, begleitet mit Klezmer- Musik vom Hana Frejkova  Klezmerensemble zum Gedenken an die ersten Transporte ins KZ Theresienstadt vor 72 Jahren.  

Hana Frejkova

Ansprache I. Botschaftssekretär Zdenek Kuna

Manfred Eisner

Romanus Fuhrmann

Hana Frejková arbeitete nach ihrer Ausbildung an der Janacek Hochschule für Musik und Darstellende Künste
in festen Engagements in Prag. Seit 1986 wirkt sie als freie Künstlerin in zahlreichen internationalen Theater-, Musical-, Kabarett-, Film-, und Fernsehproduktionen mit. Das deutsche Publikum kennt sie aus Michael Verhoevens Verfilmung von George Tabori’s „Mutter Courage“.
 
 

Endlösung: In der zweiten Hälfte des Jahres 1941 eröffneten die Nazis die Schlussphase der „Endlösung der Judenfrage“, wie sie ihr Programm zur Vernichtung der europäischen Juden euphemistisch nannten. Der SS und den ihr untergeordneten Polizeiorganen wurde befohlen, Juden massenhaft zu ermorden, zunächst in den besetzten Gebieten der damaligen Sowjetunion. Koordinator dieser Maßnahmen wurde der Chef des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) Reinhard Heydrich. Er hatte dazu am 31. Juli 1941 vom Hitler-Stellvertreter Hermann Göring den offiziellen Auftrag erhalten. Hitler verlangte, dass Deutschland, Österreich und das Protektorat Böhmen und Mähren möglichst bald „judenfrei“ gemacht werden. Am 27. September 1941 übernahm Reinhard Heydrich die Funktion des stellvertretenden Reichsprotektors. Damit ging eine Verschärfung der antijüdischen Maßnahmen im Protektorat einher. Es wurde eine neue Phase der „Endlösung“ eingeleitet. Diesem Ziel widmete Heydrich eine der ersten Beratungen seines engsten Stabes am 10. Oktober 1941. Hier wurde entschieden, einige Tausend Juden aus dem Protektorat in die Ghettos in Litzmannstadt und Minsk zu deportieren, weitere sollten in einem Ghetto auf dem Gebiet der böhmischen Länder konzentriert werden. Als der dafür am besten geeignete Ort wurde Theresienstadt ausgewählt. Diese Entscheidung wurde dann auf einer weiteren Beratung am 17. Oktober 1941 bestätigt.

 

Aufbaukommando: Am 24. November 1941 traf in der Sudetenkaserne in Theresienstadt eine Gruppe von 342 jungen jüdischen Männern ein, Mitglieder des Aufbaukommandos. Ihre Aufgabe war es, das Ghetto für die Ankunft weiterer Transporte vorzubereiten, die ab dem 30. November 1941 erwartet wurden. Die zur Deportation bestimmten Menschen erhielten eine Vorladung, sich an bestimmten Orten in größeren tschechischen Städten zusammen zu finden. Zuvor hatten sie ihr gesamtes Hab und Gut abgeben müssen, lediglich ein Gepäck von maximal 50 kg durften sie behalten. Einige Tage lang wurden in den Sammelstellen die administrativen Angelegenheiten erledigt, danach gingen die Transporte nach Theresienstadt ab. Zunächst durften die Familien noch zusammen bleiben, bald schon aber wurden Männer, Frauen und Kinder getrennt untergebracht. Im ersten Monat wurden 7.350 Juden aus dem Protektorat nach Theresienstadt deportiert. Die Züge kamen auf dem Bahnhof in Bohušovice nad Ohří an. Von dort wurden die Menschen zu Fuß in das Ghetto getrieben. Viele Alte und Kranke überlebten die Strapazen nicht.

Bilanz: Von November 1941 bis April 1945 wurden etwa 140. 000 jüdische Häftlinge ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Zwischen dem 20. April und dem 5. Mai 1945 kamen zudem so genannte Evakuierungstransporte mit mehr als 15.000 jüdischen und nicht jüdischen Häftlingen aus verschiedenen anderen Konzentrationslagern nach Theresienstadt. Insgesamt haben das Ghetto etwa 155. 000 Männer, Frauen und Kinder durchlaufen. Etwa 35.000 von ihnen starben direkt in Theresienstadt, weitere 83.000 Häftlinge kamen nach der Deportation aus Theresienstadt in Vernichtungslagern, in Arbeitslagern oder - gegen Ende des Krieges - auf Todesmärschen ums Leben.

Diesen Abend wurde zwei jungen Künstlern aus Theresienstadt gewidmet:
Petr Ginz und Hanus Hachenburg waren In Theresienstadt mit anderen Jungen im Alter von 10 – 16 Jahren in einer ehemaligen Schule, untergebracht. Die Jungen gründeten eine eigene Republik „Schkid“, entwarfen eine Fahne, eine Verfassung und gaben eine Zeitung heraus. Petr Ginz und Hanusch Hachenburg übernahmen die leitende Rolle bei der Erstellung der Zeitung, die den Namen „VEDEM“ erhielt.
Es wurden einige Beispiele ihres schriftstellerischen Könnens vorgetragen von Schauspielern Manfred Eisner und Romanus Fuhrman, begleitet mit Klezmer- Musik vom Hana Frejkova Klezmerensemble.
Im Anschluss gab es ein Konzert von Hana Frejkova „Jiddisch zu Dritt“.

 

 

P.Ginz, Mondlandschaf

Petr Ginz, Botschaft CR

Botschaft CR, Vedem, Titelseite

Vedem, Titelseite

Vedem Dokumentation

Vedem Dokumentation

Vedem Dokumentation

Botschaft CR, Vedem, Dokumentation

Botschaft CR, Vedem, Dokumentation

Botschaft CR, Vedem, Dokumentation

 

BÖHMISCHE ERINNERUNGEN

03. Dezember 2013, 20:00 Uhr
Kulturkirche Altona, Max-Brauer-Allee 199, 22765 Hamburg
Der international renommierte Geigenvirtuose Pavel Sporcl aus Prag ist der Star des Festivals der Tschechischen Kunst und Kultur in der Hansestadt und in der Kulturkirche Altona.
Die Medien bezeichneten Sporcl als „ein Talent, das möglicherweise nur einmal in 100 Jahren geboren wird“.
Der Künstler hat die seltene Gabe, mit seiner Virtuosität und seinen Konzerterfolgen sowohl die Anerkennung der Fachwelt zu gewinnen als auch mit seinen öffentlich geäußerten Ansichten und nicht zuletzt durch sein legeres Äußeres die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu ziehen. 
So gelingt es ihm, eine breite Öffentlichkeit und vor allem auch das junge Publikum anzusprechen. Er engagiert sich dabei unentwegt als „Botschafter“ der klassischen Musik. „Klassik wird bei mir immer an erster Stelle stehen, ich liebe sie, doch habe ich auch nichts dagegen, ab und zu einmal in andere Genres zu wechseln“, sagt er.
Als einziger tschechischer Violinist der jüngeren Generation fand Sporcl Eingang in das Buch des bekannten Kritikers und Geigenhistorikers Henry Roth „Geigenvirtuosen: Von Paganini bis ins 21. Jahrhundert“. Konzertreisen führten ihn in alle berühmten Konzerthäuser Europas, der USA, Chinas, Kanadas oder Japans. Zu seinem Repertoire zählen mehr als 40 Violinenkonzerte sowie unzählige Sonaten und Kammermusikwerke. Neben der Klassik pflegt Sporcl auch Musikwerke des 20. Jahrhunderts. Begleitet wird Pavel Sporcl vom Pianisten Petr Jirikovsky.
 

DIE SCHULE DES HUMORS

05. Dezember 2013, 19.00 Uhr
Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin
Literaturabend mit Musik zum 130. Geburtstag von  Jaroslav Hasek..
Hašek durchreiste (meistens zu Fuß) die Österreich-Ungarn Monarchie und einen Teil Deutschlands. Mit den Abenteuern des braven Soldaten Schwejk hat Hasek bewiesen, dass er ein Meister des subtilen Humors ist. Seine Alltagsbetrachtungen und vor allem die Abgründe der menschlichen Seele dienen dabei als Anschauungsmaterial. 
 
In der Tschechischen Republik aber auch im Ausland ist Jaroslav Hasek  als genialer Romanschreiber anerkannt, hat  er der Welt doch eine der wirkungsvollsten satirischen Beschreibungen der Kampfplätze des 1.Weltkriegs gegeben.
Sein Werk wird häufig auf die  gleiche Ebene mit den Werken Kafkas gestellt, trotz der Unterschiede in Genre und Lebensanschauung.

Ansprache I. Botschaftsekret+Ąr Zdenek Kuna, Botschafdt CR

Botschafdt CR, Schule des Humors, Ansprache D.R.Parisek

Botschafdt CR, Schule des Humors PBF 2013

Schule des Humors, Mitglieder d. Tschech. Philharmonie, Botschafdt CR, 05.12.2013

Botschafdt CR, Schule des Humors, Mitglieder d. Tschech. Philharmonie 05.12.2013

 

Schon in jungen Jahren hatte sich Hasek in Kreisen der Boheme und der Anarchisten bewegt, schon damals war die Kneipe einer seiner bevorzugten Arbeitsplätze. Er war Stammgast in vielen Lokalen, erwies sich als meisterhafter Erzähler von Geschichten und machte sich mit seinen ungewöhnlichen Einfällen schnell einen Namen in Prag. Am Biertisch gründete er mit Freunden die 'Partei des maßvollen Fortschritts in der Grenzen der Gesetze'. Nach Aussage ihres Parteivorsitzenden Hašek erfolgte die Gründung der Partei im Jahr 1904 in der im Prager Viertel Königliche Weinberge gelegenen Gastwirtschaft „Zum goldenen Liter“. Die Partei wuchs nur langsam. Nach eigenen Angaben bestand sie am 14. Dezember 1904 aus nur acht Personen. zu den Mitgliedern zählten im Laufe der Zeit aber neben einigen Juristen und Medizinern zahlreiche Köpfe der Prager Kulturszene. Am 8. April 1911 hatte der österreichische Minister des Inneren nach Auflösung des alten Reichsrates den Termin der allgemeinen Wahl der Abgeordneten für die Mitte Juli festgelegt. Wenige Tage später gab in der neuen Parteizentrale, der Gaststätte „Kuhstall“ in den „Königlichen Weinbergen“, ein Exekutiv-ausschuss der reorganisierten „Partei für gemäßigten Fortschritt in den Schranken der Gesetze“ bekannt, man wolle sich mit einem eigenen Kandidaten am Wahlkampf beteiligen. Gleichzeitig veröffentlichte man ein Manifest an das tschechische Volk, in dem diesem das Parteidogma des „gemäßigten Fortschritts“ nahe gebracht werden sollte:
„Auch die Svatopluk-Cech-Brücke ist nicht über Nacht gebaut worden. Zuerst musste Svatopluk Cech geboren werden, ein berühmter Dichter werden, sterben, dann musste eine Sanierung durchgeführt werden, und dann erst baute man die Svatopluk-Cech-Brücke.“
Das Wahlprogramm des Kandidaten für den Wahlbezirk Weinberge Jaroslav Hašek, umfasste sieben Punkte:

  1. Die Wiedereinführung der Sklaverei.

  2. Verstaatlichung der Hausmeister („Auf die gleiche Weise wie in Rußland, wo jeder Hausmeister gleichzeitig Polizeispitzel ist“.)

  3. Die Rehabilitierung der Tiere.

  4. Die Einrichtung von staatlichen Anstalten für schwachsinnige Abgeordnete.

  5. Die Wiedereinführung der Inquisition.

  6. Die Unantastbarkeit der Geistlichen und der Kirche („Falls ein Schulmädchen von einem Geistlichen defloriert wird“).

  7. Die obligatorische Einführung des Alkoholismus

 

Botschafdt CR, Hasek Jaroslav 1920

Jaroslav Hasek 1918, Botschafdt CR, 05.12.13

Die Partei veranstaltete zahlreiche Rednerabende, bei denen auch Max Brod und Franz Kafka unter den Zuschauern waren. Kandidat Hašek hielt dort mehrstündige Wahlreden „mit einer Menge Versprechungen und Reformen, [er] schmähte die anderen Parteien, denunzierte die Gegenkandidaten, alles wie es sich für einen anständigen Bewerber für eine solche Würde gehört“. Außerdem wurde mit Handzetteln und Plakaten für den eigenen Kandidaten geworben: „Wähler, was Ihr von Wien erhofft, bekommt Ihr auch von mir!“ – „Wähler, protestiert mit Euren Stimmzetteln gegen das Erdbeben in Mexico!“ – „Jeder unserer Wähler bekommt ein kleines Taschenaquarium.“ „Hier wird ein ehrbarer Mann zur Verleumdung von Gegenkandidaten eingestellt.“ Vergebens – nach Auszählung der im Wahlbezirk Weinberge abgegebenen etwa 3.000 Stimmen entfielen auf die PFGFIDSDG gerade einmal 38.

Resümee des Wahlkampfs:
„In der Annahme, dass bei der begeisterten Agitation der Anhänger der Partei des gemäßigten Fortschritts im Namen des Gesetzes sich die Zahl der Stimmen bei den nächsten Wahlen verzehnfachen und das österreichische Parlament in absehbarer Zeit noch einige Male aufgelöst werden wird, können wir nicht daran zweifeln, dass in wenigen Jahren der Kandidat der Partei des gemäßigten Fortschritts im Namen des Gesetzes ins Parlament einziehen wird.“

Im 1. Weltkrieg lief Jaroslav Hasek zu den russischen Truppen über und trat in die tschechoslowakischen Legionen ein. Nach seiner Rückkehr nach Prag 1920 nahm er sein Boheme-Leben wieder auf - was ihn allerdings nicht vom Arbeiten abhielt. Über 2000 Kurzgeschichten und Artikel blieben von ihm erhalten. Eingang in die Weltliteratur fand er mit seiner Gestalt des Schwejk. Die zentrale Gestalt seines Hauptwerkes Josef Schwejk ist der Prager Hundehändler. Der Schwejk steht in dauerndem Kampf gegen Bürokratie, staatliche Willkür und Militarismus und entlarvt sie in seiner Geradlinigkeit als lächerliche Pose.

Botschafdt CR, George Grosz Berlin, 05.12.13

Botschafdt CR, George Grosz 1930

George Grosz, Schule des Humors, Botschafdt CR, 05.12.13

Kurt Tucholsky, alias Ignaz Wrobel beschreibt 1926 in der Zeitschrift „Weltbühne“ den Schwejk so:
Neulich habe ich hier davon erzählt, wie mir in den sechs so sehr zu empfehlenden Bänden des ‚Welthumors‘ von Roda Roda (erschienen bei Albert Langen) im letzten Band ein Mann aufgefallen ist, dessen Humor völlig neuartig erscheint: Jaroslav Hasek. Ein Pariser Leser der ‚Weltbühne‘ hat uns dann Einiges vom Lebenslauf dieses seltsamen Menschen mitgeteilt, der, vierzigjährig, vor drei Jahren gestorben ist, und auch davon, wie populär, ja, berühmt Hasek bei den Tschechen ist. Ich wäre schrecklich stolz auf meine Entdeckung, wenn die eine wäre, und wenn Hasek nicht so groß wäre, daß er sofort auffallen muß.
Diesen Schwejk nun stellt der Verfasser in den Weltkrieg, und es begibt sich, daß der kleine Tscheche die gesamte oesterreichische Monarchie übers Ohr haut, wozu nicht viel gehört – mehr: daß er ihrer Herr wird, daß er sich mit der unschuldigsten Miene von der Welt über sie lustig macht, und daß Alles vor diesem idiotisch-schlauen Kerl versinkt, Sieg, Niederlage, Ehre, Ruhm, General und Krankenschwester. Die Gespräche des Herrn Soldaten sind alle von leichter Blödelei angefüllt, an jeder Gesprächsecke überfallen ihn die Erinnerungen seiner Gasse, und wenns ernst wird, beginnt er, dem erstaunten Partner mit einer Geschichte aufzuwarten. So etwas von Pointenlosigkeit soll noch mal geboren werden. Aber um von dem Wesen des bekanntesten aller Soldaten einen Begriff zu geben, setze ich den Anfang des Buches hierher :
„Also sie ham uns den Ferdinand erschlagen“, sagte die Bedienerin des Herrn Schwejk, der vor Jahren den Militärdienst verlassen hatte, nachdem er von der militärärztlichen Kommission endgültig für blöd erklärt worden war, und der sich nun durch den Verkauf von Hunden, hässlichen, schlechtrassigen Scheusälern ernährte, deren Stammbäume er fälschte. Neben dieser Beschäftigung war er von Rheumatismus heimgesucht und rieb sich grade die Knie mit Opodeldok ein. „Was für einen Ferdinand, Frau Müller?“, fragte Schwejk, ohne aufzuhören, sich die Knie zu massieren. „Ich kenn zwei Ferdinande. Einen, der is Diener beim Drogisten Pruscha und hat dort mal aus Versehn eine Flasche mit irgendeiner Haartinktur ausgetrunken, und dann kenn ich noch den Ferdinand Kokoschka, der was den Hundedreck sammelt. Um beide is kein Schad.“ „Aber, gnä Herr, den Herrn Erzherzog Ferdinand, den aus Konopischt, den dicken, frommen.“ „Jesusmaria“, schrie Schwejk auf. „Das is aber gelungen. Und wo is ihm denn das passiert, dem Herrn Erzherzog?“ „In Sarajewo ham sie ihn mit einem Revolver niedergeschossen, gnä Herr. Er is dort mit seiner Erzherzogin im Automobil gefahren.“ „Da schau her, im Automobil, Frau Müller, ja, so ein Herr kann sich das erlauben und denkt gar nicht dran, wie so eine Fahrt unglücklich ausgehn kann … Der Herr Erzherzog ruht also schon in Gottes Schoß? Hat er sich lang geplagt?“ „Der Herr Erzherzog war gleich weg, gnä Herr, Sie wissen ja, so ein Revolver is kein Spaß. Unlängst hat auch ein Herr bei uns in Nusle mit einem Revolver gespielt und die ganze Familie erschossen, mitsamt dem Hausmeister, der nachschaun gekommen is, wer dort im dritten Stock schießt.“ „Mancher Revolver geht nicht los, Frau Müller, wenn Sie sich aufn Kopf stelln. Solche Systeme gibts viel. Aber auf den Herrn Erzherzog ham sie gewiß was Bessres gekauft, und ich möchte wetten, Frau Müller, daß sich der Mann, der das getan hat, dazu schön angezogen hat.“ Schwejk also setzt sich den Hut auf und geht ins Wirtshaus. Dort sitzt schon, beim Wirt Palivec, der Polizeispitzel Bretschneider, der auf Hochverräter aus ist.

Die Figur des Schwejk erfuhr internationale Anerkennung nicht zuletzt durch seine Verarbeitung in anderen Kunstgattungen. Dramatische Bearbeitungen gab es u.a. durch Max Brod (1928) und Erwin Piscator (1929) in Berlin, durch E.F. Burian in Prag 1935.
Die Schwejksche Gestalt gab Anlaß für mehrere Verfilmungen in der Tschechoslowakei, aber auch in Deutschland 1960 (Regie: Axel von Ambesser). Auch Vertonungen in Oper und Musical wurden unternommen. Bertold Brecht schrieb in den Jahren 1942/43 sein Stück 'Schwejk im zweiten Weltkrieg'. Aus der gemeinsamen Arbeit von Jaroslav Hasek und E. E. Kisch entstand Kischs 'Die Reise um Europa in 365 Tagen' (1929). Jaroslav Hasek konnte den Roman nicht vollenden und seinen langsam beginnenden Ruhm und materiellen Aufstieg nicht genießen. Noch vor Erreichen des 40. Lebensjahres starb er in Lipnice, wo er sich erst 1921 ein kleines Haus gekauft hatte …

 

George Grosz Zeichnungen zur Schwejk Inszenierung in Berlin 1926 Bild 1

George Grosz Zeichnungen zur Schwejk Inszenierung in Berlin 1926 Bild 2

George Grosz Zeichnungen zur Schwejk Inszenierung in Berlin 1926 Bild 3

George Grosz Zeichnungen zur Schwejk Inszenierung in Berlin 1926 Bild 4

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George Grosz Zeichnungen zur Schwejk Inszenierung in Berlin 1926 Bild 16

George Grosz Zeichnungen zur Schwejk Inszenierung in Berlin 1926 Bild 17

George Grosz Zeichnungen zur Schwejk Inszenierung in Berlin 1926 Bild 18

 

NEUJAHRSKONZERT

09. Januar 2014 um 20.00 Uhr
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Breitscheidplatz, 10789 Berlin

Neujahrskonzert im Jahr der tschechischen Musik mit dem Geigenvirtuosen Pavel Sporcl 

Ansprache, Gesandte CR Mgr.Eva Dvorakova 09.01.14 Gedächtniskirche Berlin

Konzert, 09. Januar 2014

 Gedächtniskirche Berlin, 09.01.14, kl

Pavel Sporcl, Petr Jirikovsky, 09.01.14,  Gedächtniskirche Berlin Berlin, kl

 

http://www.gedaechtniskirche-berlin.de/KWG/dateien/ausgabe_event.php?id=3289

Pavel Sporcl, Petr Jirikovsky, 09.01.14,  Gedächtniskirche Berlin, kl

Konzert, 09. Januar 2014

Publikum, 09.01.14

Publikum  Gedächtniskirche Berlin, kl2

 

NACHT UND HOFFNUNG

27. Januar 2014, 19:00 Uhr
Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin

Literarisch rmusikalisches Programm zum 69. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz – Brezinka, mit Texten des berühmten jüdischen Schriftstellers und Publizisten Arnošt Lustig, der Auschwitz überlebte und des tschechischen Diplomaten und Schriftstellers Camill Hoffmann, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde.

 

Camill Hoffmann war deutscher Dichter, tschecho- slowakischer Diplomat und unermüdlicher Vermittler zwischen zwei Kulturen, in denen er in gleichem Maße zu Hause war. Der 1878 im mittelböhmischen Kolín geborene Hoffmann hat zeitlebens eher im Hintergrund gewirkt. 1902 trat er in die Redaktion der ZEIT in Wien ein; von 1912 bis 1919 arbeitete er in der Feuilleton-redaktion der „Dresdner Neuesten Nachrichten“.
Von 1920 bis 1938 war er als Presseattaché der tschechoslowakischen Botschaft in Berlin beschäftigt; während dieser Zeit entstand das Politische Tagebuch.
 
Hoffmann bemühte sich sehr um einen Ausgleich zwischen Tschechen, Deutschen und Juden, vermittelt, organisiert, übersetzt. In seiner Korrespondenz finden sich zahllose bekannte Namen aus der zeitgenössischen deutschen und tschechischen Kultur, von Hermann Hesse bis Oskar Kokoschka, von Karel Čapek bis Bohuslav Martinů. In den dreißiger Jahren hilft er vielen Verfolgten bei der Flucht ins Exil und rettet u. a. auch die Bibliothek von Heinrich Mann. 
 
 
1938 wird die Lage in Berlin unhaltbar, Hoffmann wird abberufen, pensioniert. Trotz aller Warnungen geht er zurück nach Prag.
Im März 1939 marschieren die deutschen Truppen in die so genannte Rest-Tschechei ein. Der Jude Camill Hoffmann zieht sich in seine Prager Wohnung zurück, zwischen seine Bücher, schreibt an einer Geschichte Böhmens. Den deutschen Einmarsch in Prag beschreibt er am 15. März 1939 so: 
“Nächtliche Beratungen mit Hitler verhindern nicht den Einmarsch deutschen Militärs, gestern abend Besetzung von Mährisch Ostrau u. Friedek (Witkowitz), als müsste einer Aktion Polens in dieser Gegend zuvorgekommen werden, heute des ganzen Gebietes von Böhmen und Mähren. Der tschechische Staat hört auf zu sein.“
 
Dr.Emil Hacha, Jurist, Publizist, Übersetzer, war Staatspräsident des Protektorats Böhmen und Mähren. 
C.Hoffmann zitiert hier Hachas Erklärung vom 15.03.1939, die dieser um 03:55 Uhr, zwei Stunden vor dem Einmarsch der Wehrmacht, ergab. Die Deklaration wurde auf Hitlers Geheiß von Außenminister Ribbentrop entworfen: 
„Hácha legte „das Schicksal des tschech. Volkes u. Landes vertrauensvoll in die Hände des Führes des D. Reiches“, der den Tschechen „eine ihre Eigenart gemäße autonome Entwicklung eines völkischen Lebens gewährleisten“ wird. 
 
Morgens meldet der Rundfunk schon, dass deutsches Militär von allen Seiten einmaschiert, zwischen 10 u. 11 treffen die ersten motorisierten Truppen v. Melnik her auf dem Prager Invalidenplatz ein, und bald folgen andere, Motorfahrer, Tanks, Artillerie, Feldküchen, die Strassen sind voller Menschen Der Tag ist grau und neblig. Schneegestöber, die Straßen vereist. Der Einmarsch war gewiss eine Gewaltleistung.Ich fahre im Autobus in die Stadt, der Autobus bleibt am Graben stecken, Ecke Graben-Wenzelsplatz ein Meer von  Menschen, von Schutzleutenketten schwer zurückgehalten. Lautes langes Massenpfeifen, dann wieder „Kde domov muj“ (tschechische Nationalhymne), Fäuste über den Köpfen. Wenn das sich wiederholt, sage ich mir, gibt es noch Blutvergießen. Die Erregung ist ungeheuer, die Stimmung düster. Sonst ist die Menge erstaunlich diszipliniert. Es soll einen Toten geben. 
Ein junger Mann machte Anstalten, sich auf einen deutschen Offizier zu stürzen, nach anderer Version spuckte er ihn an, der Offizier zog sofort den Revolver u. schoss ihn nieder. 
Viele Selbstmorde von Juden, viele Verhaftungen. 
Früh um 7 wurde schon Hajek von deutscher Gestapo festgenommen, aber nach Verhör wieder freigelassen. Man soll von ihm deutsche geheime Informatoren haben wissen wollen. Volksverräter.
Jiri Hajek, Politiker, Mitglied im Jugendverband der tschechisch. Sozialdemokraten, 1939 – 1945 inhaftiert, 1962-65 Vertreter der CSSR bei den Vereinten Nationen, 1968 Außenminister, befürwortete Prager Frühling, 1970 aus der Kommunistischen Partei CSSR ausgeschlossen.
 
Abends wird überraschenderweise bekannt, dass Hitler um 7 Uhr 40 in der Prager Burg eingetroffen sei. 
Die Führerstandarte auf dem Hradschin.
Die Fernsterreihen der großen Säle erleuchtet. 
Er empfängt Generäle, Offiziere, Funktionäre der NS, Minister, wohl nur die Deutschen unter sich.
 
Prag, im Mai 1939: 
 
„Die Distanz zwischen den Okkupanten und den Okkupierten hat zugenommen. Erst glaubte man, das deutsche Militär werde allmählich den Kontakt mit der tschechischen Bevölkerung gewinnen. Dann sah die Bevölkerung, welche Mengen an Waffen, Vorräten, Rohstoffen nach Deutschland transportiert wurden, wie die Gestapo die Befehlsgewalt an sich riss, Massenverhaftungen vornahm, wie die vielen reichsdeutschen Autos ankamen und ihre Insassen die Posten in Beschlag nahmen, die in der Industrie und in den Banken die Juden, aber auch zum Teil die Tschechen inne hatten. Die Ablehnung den Deutschen gegenüber wurde immer entschiedener, eisiger. 
Sie äußert sich nicht in explosiven Ausbrüchen, sondern in stillen Demonstrationen. Die Tschechen bewahren ihre Disziplin. Sie rücken zusammen."
 
 
Im Sommer 1939 hörte Camill Hoffmann auf, Tagebuch zu führen. Seine Situation verschlechterte sich zunehmend. Für die Deutschen zählte er - als ehemaliger tschechoslowakischer Diplomat - zu den exponierten Persönlichkeiten, zudem war er Jude. Wiederholt wurde Hoffmann von der Gestapo zu Verhören vorgeladen. Am 23.08.1939 schrieb er noch eine Postkarte an seine Tochter Edith nach London: 
„Liebe Edith, ich denke nicht daran, dass wir uns „letzte“ Briefe schreiben, denn solang ich den Konflikt nicht ausgebrochen sehe, glaube ich nicht, dass er ausbricht. Ich schließe, wie früher, nicht aus, dass ich mich irre, aber selbst dann wollen wir entschlossen sein, alles zu überleben. Herzlichst Dein Papa“
Die Tagebücher hatte Camill Hoffmann rechtzeitig seiner Tochter Edith nach England, ins Exil zukommen lassen. Lange Zeit hatte er gehofft, die Lage werde sich verbessern; an Emigration dachte er, als es bereits zu spät war. 1942 werden Camill und seine Frau Irma nach Theresienstadt deportiert. Als seine Frau im Oktober 1944 in den Transport nach Ausschwitz eingereiht wird, fährt Hoffmann mit ihr. Gleich nach der Ankunft werden die Beiden in der Gaskammer ermordet.
Camill Hoffmann veröffentlichte die Lyrikbände „Adagio stiller Abende“ (1902) und „Die Vase“ (1910) und übersetzte mit Stefan Zweig „Gedichte in Vers und Prosa“ von Charles Baudelaire (1902). 
 
 
„Adagio stiller Abende“
Gedichte, Berlin, Leipzig 1902
 
Einsam treibt ein blaues Boot,
Niemand weiß woher, wohin,
Lichtgestalten sitzen drin:
Meine Abendphantasien.
 
Lodernd ist der Tag verlohnt,
Nur die Wälder stehn noch rot.
Leuchtend aus der Fern
Steigt ein Stern.
 
 
Aus dem Lyrikband „Die Vase“, Neue Gedichte Berlin-Charlottenburg 1910
 
Reue des Liebhabers
Regen, der an die Scheiben tropft,
hat mich aus dem Schlaf geklopft,
und ich träume gerade von deinen
Augen, die unsere Liebe beweinen!
 
Eine Sinnflut müsst niederbrechen,
um alle Frauenherzen zu rächen!
Müsste die Erde elend ertränken,
wo die Männer seit Menschengedenken
treulos sind und ohne Reue.
Doch welcher Mann wär’ der Noah der Treue?
 
Ach, es gibt gar keinen Frommen.
Drum wird sicher die Sinnflut kommen.
Auf dem Ararat aber wird keine
Arche warten, bis Sonne scheine.
Alle, alle, die Sünden gehäuft,
werden ohne Pardon ersäuft.
 
 
Aus „Drei kleine Balladen“, Berlin, 1920
 
Ein Tor schlug zu, der Mond hing schief,
Der Brunnen schlief, die Stadt war tot,
Der Ringplatz schlief, die Gasse schlief,
Der Mond hing schief und rot.
 
Ein Schrei zerriss die tiefe Ruh,
Ein Mensch in Not um Hilfe rief,
Vom Monde fiel ein Tropfen Blut
Auf eine Stadt, die schlief.
 
Alles ist Liebe …
Alles ist Liebe, wenn du es sagst,
Niemand kann lieblos dein Lächeln erwidern,
Doch wenn du klagst,
Schluchzen die Nachtigallen auf wie in alten Liedern.
 
Alles ist Liebe, wenn Du es sagst,
Alles ist dein und mein,die Welt mit Städten und Meeren.
Aber wenn auch du verzagst,
Schwärmen die Nachtmahre aus, mein Herz zu leeren.
Ansprache I.Botschaftsekretär Mgr.Zdenek Kuna, 27.01.2014
 
Botschaft 27.01.14 Nacht und Hoffnung
 
Nacht u. Hoffnung, 27.01.14
 
Nacht u. Hoffnung, Botschaft CR, 27.01.14
 
 
Die Glocken
 
Wie seltsam läuten, seltsam ernst und tief
die alten Glocken meiner Heimatstadt!
als ob ein Märchentraum in ihnen schlief,
dass mancher schon den Kopf geschüttelt hat.
 
Im morschen Glockenstuhl mit einem Mal
raunt auf das dunkle Gold … es wiegt sich, zieht
dann durch den Abend, durch das stille Tal,
von Schwermut krank, doch voll im Klang sein Lied.
 
Wenn aus dem Schlaf ein Schmerz mich plötzlich stört
oft in der Fremde, spät um Mitternacht,
hör ich das Glockenspiel ganz fern und matt …
 
Wohl wie aus einer längst versunknen Stadt
der Schiffer auf der See ein Klingen hört.
Und niemand ahnt, wie traurig es ihn macht.
 
 
 
Schlaflos
 
Die Nacht ist einsam. Das Grab
Wird nicht mehr einsamer sein.
Ich taste mich schlaflos ab,
Der Stein, da ist mein Herz.
 
Ich weiß, auch du, ich weiß,
Auch du liegst nun allein.
Kein Traum zieht seinen Zauberkreis
Um deine Stirn von Erz.
 
Und morgen, oder nächstes Jahr,
Wie kann es anders sein?
Die Nacht währt immerdar,
Und dieser Stein ist nichts als Schmerz.
 
 
Theresienstadt nach 1942
 
Übe dich, Freund, wenn die Nacht
Schwarz dich umfängt,
Da zu liegen allein,
Und nichts zu fühlen.
 
Übe dein Herz,
Nichts zu wissen, was war,
Und wenn die Liebste ruft,
Nichts zu hören.
 
Über dir ist es Nacht
Ohne Stern,
In dir, Freund, ist es Nacht,
Ohne Ende
 
 
Letztes Gedicht
 
Wie danke ich dafür,
dass Gott die Träume schuf!
Durch diese einzige Tür
kommst du, Geliebteste, zu mir
 
Was soll mir das Gedränge
des Tages und alle Pein,
Was soll mir noch die Enge
der Mauern im Exil?
 
Die Nacht, die Nacht allein
verheißt mir Sinn und Ziel
Du kommst, Geliebteste, zu mir
Durch diese leise Tür.
 
Heute Nacht mein Herz vergaß
zu schlagen, du tratest ein
mit wunden Händen, blaß
vom langen Einsamsein
 
Geliebteste, mein Kind
Sieh wie wir elend sind.
Ich warf mich hin vor dir,
Beschämt von deinen Wunden,
Da warst du schon entschwunden
Durch die geheime Tür.
 
 
(eventuell nicht vollständig)
 
 
Camill Hoffmann, ein Mensch, den sein Schicksal zwischen Zeiten und Völker stellte und der darin seine Aufgabe erfüllte, Brücken von einer Welt in die andere zu schlagen, hat es verdient, mit seinem Werk und Schaffen in unserer Erinnerung zu überleben. 

 

 

KÖNIGLICHES SPIEL

28. Januar 2014, 19:00 Uhr
St. Bonifatius Kirche, 26316 Varel
Mährische Balladen, Jüdische- und Romamusik mit  dem Zuzana Lapcikova Sextett.
Zuzana Lapčikova gehört seit Jahren zu den bedeutendsten Musikerinnen in Tschechien. Ihr Sextett besteht aus mährischen und Roma-Musikern. Zu ihrem Repertoire gehören mährische Liebeslieder und Balladen, die sie in ihren Arrangements und Interpretationen mit Elementen des Jazz und der zeitgenössischen Musik verknüpft. Seit Jahren gehört sie zu den gefragtesten Solosängerinnen und Zymbalistinnen auf der tschechischen Musikszene. 
 

http://www.nwzonline.de/friesland/kultur/maehrische-klaenge-begeistern-p...

 

Ansprache Gesandte Mgr. Eva Dvorakova, Varel Konzert St.Bonifatius Kirche (017)

Sie gewann eine Reihe von nationalen Wettbewerben und nahm an internationalen Festivals teil.
Bislang sind mehr als 30 Alben von Zuzana Lapčíková zu unterschiedlichen Themen erschienen.

Das Album „Morava“ errang den fünften Platz unter den weltweit zehn besten Jazz-Aufnahmen des Jahres  „Jazztitude“. Ihre neueste CD „Černobilá“ (Schwarz-Weiß) wurde für den bedeutenden tschechischen Musikpreis „Anděl“ nominiert.

Zuzana Lapcikova Konzert

Zuzana Lapcikova Sextett

Varel, St. Bonifatius Kirche, Konzert am 28. Januar 2014

K+Ânigliches Spiel in Vareler St. Bonifatius Kirche, Konzert am 28. Januar 2014

 

 

St.Bonifatius Kirche, Varel

Varel Konzert St.Bonifatius Kirche

 

 

ICONUU

12. Februar 2012, 19:00 Uhr
Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin
12.02.14, Botschaft CR
 
Vortrag Prof. Michael Bielicky 12.02.2014, Botschaft CR
 
Prof.M.Bielicky, O.Bott, A.Ballhorn
 
vL.n.R. Prof. M.Bielicky, O.Bott, A.Ballhorn, 12.02.14, Botschaft CR
 
Multimedia Projekt von  Prof. Michael Bielicky a Dr. Kamila B. Richter. Michael Bielický ist der bedeutendste Multimedia Künstler der Tschechischen Republik, ist Autor der experimentellen Videodokumente von
Nam June Paik und Vilem Flusser (Paik, 1986, Vilém Flussers Fluss, 1994), der Videoinstallation Joseph Beuys Die Fettecke, 1987, der  Videoskulptur (u.A. Menora, 1987, Der Name, 1990), der virtuellen Tele-Performance Exodus (1995), der Installation „ Dieses Jahr in Jeruzalémě“, die Prag und Jerusalem im Jahr 2006 in realen Zeit verbunden hat. 
 
Prof. Michael Bielicky
 
KARLSRUHE 1436
 
Kinoautomat - Cover
 
Prof. Michael Bielicky
 
Prof. Michael Bielicky
 

12.02.14, PBF-Direktor, D.R.Parisek, Multimediakünstlerin Dr.Kamila B. Richter

 

Falling Times mit Oli Bott, 12.02.14

 

Oli Bott, Falling Times 12.02.14

 

Publikum, Prof.Bielicky, 12.02.14,Botschaft CR

 

Die Internetinstallation „Falling Times“ (2007), wandelte er in realer Zeit  in Nachrichtentitel, in Bilder allgemein bekannter Piktogramme unter Mitwirkung, von Internetbenutzern der Ganze Welt. Projekte „Columbus 0.2“(2009), und „Garten des Vergehens und Zerfalls (2011)bekamen Auszeichnungen  auf den Biennalen in Peking, Sao Paulo, Tokyo, Moskau, Barcelona und Tel Aviv.

Michael Bielicky wird an diesem Abend einen Einblick in die einzigartige Geschichte der frühen tschechischen Medienkunst präsentieren und einige seltene Filmdokumentationen dazu zeigen. In der zweiten Hälfte seines Auftritts wird er Beispiele aus den gemeinsamen Medienkunstprojekten von Kamila B.Richter und ihm aus den letzten Jahren demonstrieren.

Sao Paulo

 

DIVADLO GOČÁR

20. Februar 2014, 19:00 Uhr
Botschaft der Tschechischen Republik, Wilhelmstrasse 44, 10117 Berlin
ein Musical-Kabarett über Architekten, in dem außer Musik auch Architektur erklingt. Drei Männer,
die das moderne Antlitz tschechischer Architektur geprägt haben, – Jože Plečník, Josef Gočár und Pavel Janák – stellen ihre architektonischen Visionen vor. 
 
 
 
Das Theater Gočár von Miloš Orson Štědroň wurde mit dem Prestige Preis von Alfréd Radok für die beste Musik des Jahres 2012 ausgezeichnet. In diesem musikalischen Bühnenstück treten drei Ausnahmearchitekten auf, die mit ihren Bauten und Konzeptionen das Aussehen der tschechischen Städte und der öffentlichen Räume eindringlich beeinflusst haben. Neben Josef Gočár, der im Jahre 2010 zum bedeutendsten tschechischen Architekten des zwanzigsten Jahrhunderts erkoren wurde, sind es Pavel Janák und der slowenische Architekt Jože Plečnik, der Autor des Umbaus der Prager Burg in zwanziger Jahren. Theater Gočár wurde von der Kritik als „ein Beispiel für ein Autorenstück mit höchsten künstlerischen Ambitionen und zugleich hervorragender Unterhaltung“ enthusiastisch begrüßt. 
 
Das für vier singende Schauspieler und drei Musiker geschriebene Stück hat zum Thema: Das goldene Zeitalter der Architektur in der Ersten tschechoslowakischen Republik. Es ist die Zeit der architektonischen Moderne. Unter Verwendung authentischer Zitate, werden die Hauptprotagonisten des Stückes, die drei genialen Architekten, sowohl in ihrer Beziehung zueinander, als auch hinsichtlich ihrer Projekte und Arbeiten, dem Zuschauer anschaulich gemacht. 

Gocar

Gocar Berlin

Die Musik und das originelle Libretto verfasste Miloš Orson Štědroň, die Inszenierung ist von Jan Nebeský. Miloš Orson Štědroň ist ein hochbegabter junger Komponist, Pianist, Librettist, Musikpädagoge und Publizist, Jan Nebeský ist Regisseur, Autor und Pädagoge für das Fach Regie an der Prager Theaterakademie DAMU.  

Mit einer gehörigen Portion Humor, in einer Bühnenfassung, die den musikalischen Ausdrucksmitteln des Komponisten Milos Orson Štědroň entspricht, werden die eigenwilligen Persönlichkeiten der drei Architekten, ihre andauernde Suche nach Funktionalität und nach dem Neuen, lebendig. Es ist diese Suche nach neuen Formen, nach neuen Baustoffen und nach neuen Ausdrucksformen, die Janák und  Plečnik charakterisiert, vor allem aber für „Das Theater Gočár“ charakteristisch ist, das vom Wechsel der verschiedenen musikalischen Stile ( Rapp, Blues, Volkslied, Melodram, Terzett, Protestsong) lebt. In der Inszenierung werden die Bühnenschauspieler mit einem Opernsänger, einem Countertenor, zusammen gebracht. 

Libretto und Komposition stammen von dem Professor des Prager Konservatoriums, Miloš Orson Štědroň (*1973), der in seinem Werk „Das Theater Gočár“ an eine Reihe von Arbeiten anknüpft, die sich mit großen Persönlichkeiten befassen: 
 
Nach dem Kabarett „Ivan Blatný“ (über den gleichnamigen tschechischen Dichter), das für den Alfréd Radok-Preis 2007 für die beste Musik nominiert wurde, nach dem Kabarett „Hašek“, nach dem musikalischen Western über Antonín Dvořák „Tony D.“ und nach der Vertonung eines Stückes über Mutter Teresa „Lamento - Aus dem Tanz in den Staub und wieder zurück“ (für den Alfréd Radok-Preis 2010 für die beste Musik nominiert) liess sich Miloš Orson Štědroň diesmal von Persönlichkeiten aus dem Bereich der Architektur inspirieren. In Würdigung seiner Arbeiten wurde Miloš Orson Štědroň vom Theaterfestival Next Wave, zur „Persönlichkeit des Jahres 2012“ erklärt. 
 
Gocar Theater Berlin
Theater Gocar

 

 

Über uns (Über das Festival)

Festival tschechischer Kunst und Kultur präsentiert der Öffentlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland mit Theater- und Filmaufführungen, Konzerten, Ausstellungen und Lesungen sowohl Vertreter der jüngsten Künstlergeneration, als auch Künstler, die zur Zeit des Kommunismus als Dissidenten im Untergrund tätig waren oder in den Westen emigrieren mussten. Die Künstler vermitteln durch ihre Werke zugleich ihr Bild von der heutigen tschechischen Gesellschaft, denn Kunst und Kultur sind stets das Spiegelbild der jeweiligen gesellschaftlichen Befindlichkeit eines Volkes sowie dessen moralischer und geistiger Werte.

Durch all diese Aktivitäten trägt das Festival in entscheidendem Maße zur besseren Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen und damit zugleich zum weiteren Zusammenwachsen in Europa bei. Mit seinen vielseitigen Angeboten weckt es bei Menschen aller Generationen das Interesse, sich näher mit dem jeweils anderen Land zu beschäftigen. Das Festival hilft darüber hinaus die bis heute teilweise noch weit verbreitete Unkenntnis der Kultur, Traditionen und Befindlichkeiten des jeweils anderen Volkes abzubauen, sowie die Sprachbarriere zu überwinden. Nicht zuletzt entsteht eine starke nachhaltige Wirkung: Es werden lang anhaltende Kontakte zwischen Künstlern verschiedener Genres aus beiden Ländern geknüpft. Durch die gegenseitige Inspiration entstehen immer wieder neue deutsch-tschechische Projekte. Somit bildet sich in kürzester Zeit ein Netzwerk von Kulturschaffenden und kulturellen Institutionen aus beiden Ländern heraus, die künftig der Motor für den bilateralen Austausch auf dem Gebiet der verschiedenen Künste sein werden. Damit erfüllt das Festival nicht nur gesellschaftliche, sondern zugleich auch eine politische Aufgabe.

Führende Politiker beider Länder haben die Bedeutung des Festivals von Anfang an erkannt. Seit dem ersten Jahrgang haben der Kulturminister Tschechiens und der Bundesrepublik Deutschland, der Regierende der Regierende Bürgermeister von Berlin, der Primator von Prag sowie der tschechische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland die Schirmherrschaft über das Festival übernommen.

Zur Geschichte des Festivals Tschechischer Kunst und Kultur und des deutsch-tschechischen Kulturprojekts „Erbe und Zukunft“

Im Bemühen um die gegenseitige Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen haben die Initiatoren des Festivals langjährige und umfassende Erfahrungen gesammelt. Vorläufer des Festivals war eine seit 1977 andauernde kultur-politische Tätigkeit, die mit finanzieller Unterstützung des Kulturministeriums von Baden-Württemberg ins Leben gerufen worden war.
Auf Schloss ob Ellwangen trafen sich im Rahmen eines Sommerfestivals alljährlich tschechische und deutsche Künstler, um ihre künstlerischen Produktionen zu präsentieren. Zugleich kam es zu Begegnungen zwischen Exiltschechen mit ihren Kollegen aus der Heimat, die als Gäste der Schloßfestspiele kamen um sich an verschiedenen Symposien und Podiumsdiskussionen zu beteiligten.
Nach der Wende 1990 wurden diese Aktivitäten auch in der Tschechoslowakei weitergeführt und ausgeweitet. Unter dem Titel „Erbe und Zukunft“ wurden in 73 Städten des Landes in Zusammenarbeit mit Kreis- und Regionalverwaltungen, Vereinen der deutschen Minderheit sowie tschechischen und slowakischen Kultureinrichtungen Ausstellungen, Theatervorstellungen, Konzerte, Vorträge und Podiumsdiskussionen veranstaltet. Diese internationale Zusammenarbeit stand unter der Schirmherrschaft der Außenministerien beider Länder.
Aus Anlass der Unterzeichnung der deutsch-tschechischen Erklärung im Jahre 1997 brachte der damalige tschechische Staatspräsident Vaclav Havel der Initiative „Erbe und Zukunft“ seinen tief empfundenen Dank für die bedeutende Hilfe zur Überwindung des gegenseitigen Misstrauens zwischen beiden Völkern zum Ausdruck und bezeichnete sie als „erfolgreiche Diplomatie der kleinen Schritte“.
Im Zuge dieses Projekts wurden der tschechischen Bevölkerung deutsche Künstler und Werke vorgestellt, die auf die gemeinsamen Traditionen beider Länder verwiesen. Angesichts von 150 Kulturveranstaltungen, die jährlich dem tschechischen Publikum geboten wurden, kann man davon augehen, dass die Mehrzahl der Bevölkerung Tschechiens heute mit der gegenwärtigen kulturellen Entwicklung und der kulturellen Tradition Deutschlands vertraut ist.
Doch war es nun nötiger denn je, das bestehende Informationsdefizit über die gemeinsamen kulturellen Traditionen und das gemeinsame kulturelle Erbe von Tschechen und Deutschen in der Bundesrepublik Deutschland abzubauen. Dies gelingt am besten dadurch, Aktivitäten des kulturellen und künstlerischen Schaffens aus Tschechien in Deutschland zu präsentieren, um bei der deutschen Bevölkerung ein Interesse dem Nachbarland zu wecken. Denn mit Tschechien hat Deutschland die längste gemeinsame Grenze. Daraus ergeben sich nicht zuletzt unzählige lebensnotwendige Kontakte, die das alltägliche Leben mitbestimmen.
Die Entstehung des Festivals der Tschechischen Kunst und Kultur war somit eine natürliche und notwendige Entwicklung einer Initiative, die heute bereits auf eine 35-jährige Geschichte verweisen kann und die grundlegend zu einem konstruktiven Dialog zwischen Deutschen und Tschechen beiträgt.

 

Impressum

Künstlerinitiative: Festival tschechischer Kunst und Kultur "Prag-Berlin"

Künstlerische Leitung:
Dusan-Robert Parisek
E-Mail d.r.parisek@prag-berlin-festival.de

Dramaturgie:
Dipl. Ing. Dobra Parizek-Tusa
E-Mail dramaturgie@f-p-b.de

Copyright
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