Über uns

V. Festival tschechischer Kunst und Kultur: 26.08. -31.12.2006 in der BRD

Eine Präsentation gegenwärtiger tschechischer Tendenzen in Schauspiel, Musiktheater, Tanz, Pantomime, Literatur und Bildender Kunst unter Mitwirkung von Staatsoper Prag, Prager Kammertheater, Stadttheater Brünn, Theater historischen Fechtens Pilsen, Akademie der bildenden Künste Prag, Akademie der Musischen Künste HAMU, DAMU Prag und des PEN-Klubs Prag, in Berlin, Potsdam, Dresden, Leipzig und Hamburg.

Warum das deutsch-tschechisches Kulturfestival wichtig ist:

Das Festival präsentierte im fünften Jahr seines Bestehens ein vielfältiges Angebot an Kulturveranstaltungen. Mit Tanz, Konzerten, Theater und bei Lesungen führten die tschechischen Künstler auf unterschiedliche Weise dem deutschen Publikum ihr Bild von der tschechischen Gesellschaft vor. Kunst und Kultur sind immer ein Spiegelbild der jeweiligen gesellschaftlichen Befindlichkeit eines Landes, seiner moralischen uns geistigen Werte. Sie sind – kurz gesagt – Dokumente der Selbstdarstellung. Das Prag-Berlin-Festival bringt die tschechische Kunst und Kultur erstmals gebündelt in einem festgelegten Zeitraum auf deutsche Bühnen. Im Zentrum des Festivals standen aktuelle tschechische Tanz-, Theater-, und Musikproduktionen, die dazu anregen sollten, sich mit Fragen der tschechischen Kultur auseinander zu setzen und gleichsam Fragen über die deutschen Nachbarn zu stellen. Noch können viele Westeuropäer mit dem östlichen Kulturraum nicht viel anfangen. Selbst unter den Deutschen, die immerhin die längste Staatsgrenze mit Tschechien teilen, gibt es in dieser Hinsicht große Lücken. Angesichts der Defizite an Wissen über die östlichen Nachbarn sind heute mehr denn je Veranstaltungen notwendig, die Blicke nach Osten ermöglichen und dabei neue Eindrücke gewähren.

Ausstellungen, Musik, Filme oder Theater eröffnen mühelos die Möglichkeit, in fremde Kulturen einzusteigen und dabei zu verstehen, welche Verhältnisse, Traditionen, Sehnsüchte uns ebenso Konflikte im anderen Land vorherrschen. Neben den Unterhaltungsangeboten hat sich das Festival ganz eindeutig darum bemüht, die gegenseitige Verständigung zwischen Deutschland und Tschechien zu fördern, sowie einen Beitrag zur kulturellen Integration zu leisten. Zweifelsohne bot das diesjährige Festival tschechischer Kunst und Kultur in Berlin, Brandenburg, Freistaat Sachsen und Hamburg diese Gelegenheit, nämlich die tschechischen Nachbarn besser kennen zu lernen.

Die Resonanz und das Interesse des Publikums haben bewiesen, dass es im Grunde genommen nicht mehr nötig ist, nach der Funktion des Festivals zu fragen. Und dennoch: Das Wissen voneinander ist augenblicklich immer noch viel zu gering. Noch kennt man in Deutschland nur sehr weinige Vertreter der tschechischen Kultur, Gesellschaft und Politik und es gilt, die lange kulturelle Tradition, die einstmals beide Länder verband, wieder aufzubauen und zu pflegen. Es ist nötig und sinnvoll durch solche Kulturangebote, die sich verändernde soziale, gesellschaftliche, kulturelle und politische Situation in der Tschechischen Republik transparent zu machen. Das Prag-Berlin-Festival leistet einen entscheidenden Beitrag dazu.

2002 haben Festival 8.000 Zuschauer besucht, 2003 20.000, 2004 27.000 und 2005  35.000.

Zur Geschichte des Festivals Tschechischer Kunst und Kultur und des deutsch-tschechischen Kulturprojekts „Erbe und Zukunft“

Im Bemühen um die gegenseitige Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen haben die Initiatoren des Festivals langjährige und umfassende Erfahrungen gesammelt. Vorläufer des Festivals war eine seit 1977 andauernde kultur-politische Tätigkeit, die mit finanzieller Unterstützung des Kulturministeriums von Baden-Württemberg ins Leben gerufen worden war.

So wurde es auf Schloss Ellwangen möglich, dass sich im Rahmen eines Sommerfestivals einmal im Jahr tschechische und deutsche Künstler trafen, um ihre künstlerischen Produktionen zu präsentieren. Zugleich kam es zu Begegnungen zwischen tschechischen Emigranten mit ihren Kollegen aus der Heimat, die als Gäste nach Ellwangen kamen und sich an verschiedenen Symposien und Podiumsdiskussionen beteiligten.

Nach dem Sturz des Kommunismus wurden diese Aktivitäten ab 1990 in der Tschechoslowakei weitergeführt und ausgeweitet. Unter dem Titel „Erbe und Zukunft“ wurden in 73 Städten des Landes in Zusammenarbeit mit Kreis- und Regionalverwaltungen, Vereinen der deutschen Minderheit sowie tschechischen und slowakischen Kultureinrichtungen Ausstellungen, Theatervorstellungen, Konzerte, Vorträge und Podiumsdiskussionen veranstaltet. Diese internationale Zusammenarbeit stand unter der Schirmherrschaft der Außenministerien beider Länder. Finanziert wurde sie vom deutschen Innenministerium.

Aus Anlass der Unterzeichnung der deutsch-tschechischen Erklärung im Jahre 1997 brachte der damalige tschechische Staatspräsident Vaclav Havel der Initiative „Erbe und Zukunft“ seinen tiefempfundenen Dank für die bedeutende Hilfe zur Überwindung des gegenseitigen Misstrauens zwischen beiden Völkern zum Ausdruck und bezeichnete sie als „erfolgreiche Diplomatie der kleinen Schritte“.

Im Zuge dieses Projekts wurden der tschechischen Bevölkerung Dutzende deutsche Künstler und Werke vorgestellt, die auf die gemeinsamen Traditionen beider Länder verwiesen. Angesichts von 150 Kulturveranstaltungen, die jährlich dem tschechischen und slowakischen Publikum geboten wurden, kann man davon ausgehen dass die Mehrzahl der Bevölkerung Tschechiens und der Slowakei heute mit der gegenwärtigen kulturellen Entwicklung und der kulturellen Tradition Deutschlands vertraut ist.

Doch war es nun nötiger denn je, das bestehende Informationsdefizit über die gemeinsamen kulturellen Traditionen und das gemeinsame kulturelle Erbe von Tschechen und Deutschen in der Bundesrepublik Deutschland abzubauen. Dies gelingt am besten dadurch, Aktivitäten des kulturellen und künstlerischen Schaffens aus Tschechien in Deutschland zu präsentieren, um bei der deutschen Bevölkerung ein Interesse dem Nachbarland zu wecken. Denn mit Tschechien hat Deutschland die längste gemeinsame Grenze. Daraus ergeben sich nicht zuletzt unzählige lebensnotwendige Kontakte, die das alltägliche Leben mitbestimmen.

Die Entstehung des Festivals der Tschechischen Kunst und Kultur war somit eine natürliche und notwendige Entwicklung einer Initiative, die heute bereits auf eine 29-jährige Geschichte verweisen kann und die grundlegend zu einem konstruktiven Dialog zwischen Deutschen und Tschechen beiträgt.

Festivalleitung